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Boreout – Langeweile unter geschäftigem Mantel

Der Bürokollege gebärdet sich laufend überaus gestresst, hat aber definitiv keine Berge von Arbeit am Schreibtisch liegen? Übermäßiger Stress und Überforderung am Arbeitsplatz führt in schlimmen Fällen zum allseits bekannten Burnout, dem Gefühl des Ausgebranntseins.

Boreout hingegen entsteht durch massive Unterforderung, die gähnende Langeweile und völliges Desinteresse am Arbeitsplatz auslöst. Der Betroffene verbirgt diese Tatsache aber meist geschickt, gibt sich geschäftig und stöhnt unter der angeblichen Last seiner vielen Arbeitsaufträge.

Unterforderung löst den Boreout aus

Das Wort Boreout lässt sich vom englischen Wort für „langweilig“ (boring) ableiten und bedeutet frei übersetzt „Ausgelangweiltsein“. Den Schweizer Unternehmensberatern Philippe Rothlin und Peter R. Werder zufolge, deren Buch „Diagnose Boreout“ im März 2007 erschienen ist, besteht Boreout aus den drei Faktoren: Unterforderung, Desinteresse und Langeweile.

77% aller Beschäftigten in Deutschland haben laut einer Gallup-Umfrage nur eine geringe oder gar keine gefühlsmäßige Bindung zu ihrem Unternehmen. Anlass könnte u.a. sein, dass viele hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und ihrer Berufsausbildung unpassende Positionen bekleiden. Die Ursachen für Unterforderung liegen manchmal schon in der Ausbildung. Wählt man z.B. ein Studium, das nicht ganz die eigentlichen fachlichen Interessen deckt, verrichtet man am Ende einen Job, der einen nicht wirklich interessiert. Boreout kann u.a. auch entstehen, wenn man allgemein unter seinen Fähigkeiten eingesetzt wird, lange Wartephasen zwischen großen aufwändigen Aufträgen hat oder einen das Unternehmen mit seiner Firmenphilosophie überhaupt nicht interessiert und daher nicht fordert.

Geschäftiges Verhalten führt in den Teufelskreis

Der unterforderte Betroffene möchte in den Augen seiner Kollegen dennoch ausgelastet wirken, gibt ständig vor, immens viel erledigen zu müssen und liegt seinen Mitarbeitern mit täglichem Stöhnen über seine Berge von Arbeit in den Ohren. Er verlässt meist häufig über den Tag verteilt das Büro, beraumt unnötig Sitzungen an, plaudert übertrieben lange mit Kollegen, surft anstatt zu arbeiten ausgiebig im Internet, verkauft seine alten DVDs oder Bücher auf Ebay, plant und bucht die nächste Urlaubsreise im Netz oder nimmt ständig an Onlinespielen teil. Mit gekünsteltem Lärm bei der Arbeit, unaufgeräumtem Schreibtisch, angespanntem Starren auf den PC-Bildschirm und ständigen Sätzen wie „Das muss heute unbedingt noch raus!“ und „Pfffffh, wie soll ich das nur schaffen?“ erweckt er – obwohl absolut unterbeschäftigt - den Eindruck, mit Arbeit völlig eingedeckt zu sein.

Das Erstaunliche bei Boreout-Betroffenen aber ist, dass sie allerhand Tricks anwenden, um sich zusätzliche Arbeit vom Leibe zu halten. Trotz ihrer aus der fortwährenden Langeweile resultierenden Unzufriedenheit täuschen sie Überlastung vor, um der Übernahme von neuen Aufgaben zu entgehen. Ein Teufelskreis: Denn ohne neue Arbeitsaufträge verstärkt sich die Langeweile umso mehr und auf lange Zeit gesehen gehen ihnen ihre Fähigkeiten verloren.

Letztlich fehlt dem arbeitsmäßig unausgelasteten Mitarbeiter die für sein Selbstwertgefühl sehr wichtige Wertschätzung. Möglicherweise und wohl teilweise nicht unberechtigt schlägt ihm zudem von Kollegen, die sein Gebaren als Faulheit sehen, eine gewisse Feindseligkeit entgegen. All dies kann wiederum zu Depressionen führen.

Wege aus dem Dornröschenschlaf

Obwohl der Boreout von Experten bei weitem nicht derart gefährlich eingestuft wird wie das Burnout-Syndrom, da er in der Regel keine intensive ärztliche Behandlung erfordert oder gar Frühpensionierungen herbeiführt, sollte dieses anscheinend doch recht verbreitete Phänomen wohl trotzdem nicht unterschätzt werden. Denn neben gesundheitlichen Nachteilen sind vor allem auch die wirtschaftlichen Schäden für die Unternehmen nicht außer Acht zu lassen.

Um Boreout zu vermeiden sollten Unternehmer daher darauf achten, ihre Mitarbeiter sinnvoll und ihren Fähigkeiten gemäß zu beschäftigen. Der ideale Arbeitstag sollte mit interessanter und herausfordernder Arbeit ausgefüllt sein.

Sitzt der Boreout-Betroffene definitiv am falschen Arbeitsplatz, so könnte er sich mit einer Weiterbildung auf einem für ihn interessantes Fachgebiet und einem anschließenden Wechsel an ein ihn herausforderndes Unternehmen, in dem er seine erworbenen Kenntnisse erfolgreich anwenden kann, verwirklichen. Andere wiederum könnte - bei ausreichend vorhandenem Engagement - der Wechsel in die berufliche Selbständigkeit aus dem Dornröschenschlaf wecken.

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