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Küssen – Ein sinnliches Vergnügen

„Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übrig geblieben ist“, philosophierte einst der Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924). Der Kuss ist vor allem am Anfang einer Liebesbeziehung ein sinnliches Vergnügen.

Eine Möglichkeit, dem anderen so nah wie möglich zu sein. Ein Versprechen auf mehr. Küsse gibt es in den verschiedensten Varianten und sind viel mehr als ein Symbol der Liebe.

Herkunft und kulturelle Unterschiede

Das Wort „Kuss“ kommt vermutlich aus dem südostasiatischen Raum: „Cusati“ heißt soviel wie „er saugt“. Der weibliche Speichel galt in einigen Kulturen als Heilmittel. Nach der tantrischen Vorstellung benötigen Männer die weiblichen Säfte, um Lebenskraft zu erhalten. Im Mittelalter standen angeblich bei satanischen Hexenritualen Küsse im Mittelpunkt. Allerdings war das Ziel der Münder damals der Unterleib lebender Kröten und schwarzer Katzen. Wie viel Bedeutung der Kuss auch in der heutigen Welt hat, beweist der jährlich jeden 6. Juli begangene „Tag des Kusses“. Zurückgeführt wird das Ritual des Kusses auf die Mund-zu-Mund-Fütterung, die bei vielen Tieren und auch manchen Volksstämmen heute noch praktiziert wird. Außerdem wird die orale Phase des Kindes, die sogenannte Lustbefriedigung über den Mund dafür verantwortlich gemacht, dass die Menschen so gern küssen.

Man küsst sich aber nicht nur, wenn man liebt. Küsse sind bei uns und in vielen Kulturen auch Grüße. In Asien und in der Arktis begrüßt man sich mit einem Riechgruß, dem so genannten Nasenkuss, der eigentlich kein Kuss im herkömmlichen Sinn sein soll: Es ist ein Beschnüffeln. In Japan und in Indien sind öffentliche Küsse nicht gerne gesehen, da sie deren Meinung nach den eigenen vier Wänden vorbehalten sein sollten. Beim Kuss zur Begrüßung gibt es in der westlichen Welt die verschiedensten Varianten - vom Küsschen auf die Wange bis zum Bussi links und rechts. Das angedeutete Küsschen auf die Wangen nennt man „Akkolade“. Bei den Naturvölkern Melanesiens soll man sich beim Küssen sogar beißen. Dieser Beißkuss ist ein erweiterter Zungenkuss, doch man beißt sich zudem bis das Blut rinnt: In die Lippen und in die Wangen. Darüber hinaus kauen sich die Melanesier dabei angeblich gegenseitig die Augenwimpern ab. Da geht es in Europa schon ein bisschen sanfter zu. Allerdings: Der Zungenkuss war früher gemäß dem Kirchenrecht wegen seiner Wolllüstigkeit - sogar in der Ehe - verboten.

Mit dem Küssen gesund und schön

Intensives Küssen kann laut Gesundheitsexperten Hademar Bankhofer sogar die Gesundheit fördern. Der Herzschlag steigt, der Kreislauf kommt in Schwung, die Durchblutung wird gefördert und die Lunge wird trainiert, da sich die Zahl der Atemzüge von 20 auf 60 pro Minute erhöhe. Zudem werden die Gesichtsmuskeln aktiviert, welcher Umstand den positiven Effekt der Faltenbildung nach sich zieht und Neubildung ebensolcher verhindert. Entkrampfend soll das heftige Küssen ebenso wirken, denn was kaum jemand weiß: Küssen kann dem Experten zufolge Schluckauf beseitigen! Nicht unerwähnt sollte der gesunde Bakterienaustausch beim Küssen sein: Die Immunität gegen fremde Bakterien wird durch die neuen Krankheitserreger stärker. Die Küsserei kann zwar Krankheiten wie Herpes übertragen, schützt aber angeblich vor Grippe.

Die Lust am Küssen

Durch die vielen Nervenenden an den Lippen ist der Gefühlssinn sehr stark und das Küssen wirkt daher luststeigernd. Prostituierte lassen sich ungern auf den Mund küssen, weil das Austauschen von Zärtlichkeiten mit der Zunge ein sehr intimer Akt ist. Wer sich übrigens sehr leidenschaftlich beim Küssen anstellt, wird auch als gut im Bett eingeschätzt. Beobachtungen und Befragungen zufolge schließen übrigens fast alle Frauen, aber nur etwa die Hälfte der Männer beim Küssen die Augen.

Erster Film-Zungenkuss vor 45 Jahren…

Wie in fast allen Bereichen gibt es natürlich auch Kussrekorde. Über 30 Stunden hat es 2001 ein Paar in den USA geschafft, sich zu küssen. Möglich, dass es schon neuere Rekorde in dieser Disziplin gibt. Der erste Zungenkuss durfte übrigens 1961 im Hollywoodfilm „Fieber im Blut“ mit Natalie Wood und Warren Beatty gezeigt werden.

Aus der Praxis

Beim Küssen ist vor allem frischer Atem wichtig. Die Lippen sollten sich feucht, aber nicht nass anfühlen. Küsse sollten sanft beginnen und sich langsam steigern. Dabei sollte man/frau immer wieder auf Erwiderungen warten. Ein Kuss ist ein ständiges Geben und Nehmen. Kommt nichts zurück, dann ist nichts da – gefühlsmäßig betrachtet. In längeren Beziehungen wird leider immer seltener geküsst. Maximal beim Vorspiel kommt es noch zum Kampf der Zungen. Schade, denn Küsse sind ein Zeichen der Innigkeit und Intimität. Es muss ja nicht dauernd der Zungenkuss sein, auch herzhafte Küsschen, die dem anderen zeigen, wie gern man ihn/sie hat, halten die Beziehung frisch und innig. Und: Nicht nur der Mund ist zum Küssen da: Auch Nacken, Bauch, Hände, Ohrenhinterseiten und Füße warten nur darauf, mit den Lippen liebkost zu werden.

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